top of page

„Ich will – und ich kann nicht."

  • Autorenbild: Nathalie Hessler
    Nathalie Hessler
  • 8. Juli 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Sexualität nach Trauma: Warum widersprüchliche Gefühle ganz normal sind

Wenn Nähe als Bedrohung gespeichert ist
Wenn Nähe als Bedrohung gespeichert ist

Es gibt Situationen, in denen Kopf und Körper nicht dieselbe Sprache sprechen. Du wünschst dir Nähe, möchtest dich verbunden fühlen – vielleicht auch sexuell. Doch sobald der Moment da ist, zieht sich in dir alles zusammen.

Vielleicht reagierst du mit Abwehr oder Überforderung. Vielleicht mit einem inneren Wegtreten, als würdest du nur noch „funktionieren“, um den Moment hinter dich zu bringen. Oder du spürst… einfach nichts. Nur ein vages Unbehagen.

Diese Reaktionen sind keine Laune oder „Blockade“. Sie sind tief eingeprägte Schutzmechanismen. Und sie verdienen Verständnis – nicht Bewertung.


Wenn Nähe als Bedrohung gespeichert ist

Sexuelle oder emotionale Grenzverletzungen verändern, wie unser Nervensystem auf Nähe reagiert. Selbst viele Jahre später kann körperliche oder emotionale Intimität vom System als potenzielle Gefahr wahrgenommen werden – auch wenn äußerlich alles sicher scheint.

Das bedeutet: Ein Teil von dir kann sich nach Verbindung sehnen, während ein anderer gleichzeitig Alarm schlägt. Dieser innere Widerspruch ist kein Zeichen von Instabilität – sondern von einem Körper, der sich erinnert.


Innere Dynamiken verstehen: Schutz, Sehnsucht und Spannung


  • Ein Teil wünscht sich Nähe, will sich öffnen, vertrauen, erleben.

  • Ein anderer Teil schützt dich, zieht sich zurück, warnt, hält dich fest.

  • Und manchmal meldet sich der automatische Modus, der versucht, zu „funktionieren“, obwohl du dich innerlich abschaltest.


Diese verschiedenen Impulse haben alle ihre Berechtigung. Sie entstanden aus Erfahrungen, in denen Schutz überlebenswichtig war. Und sie treten nicht auf, weil du etwas falsch machst – sondern weil dein System Sicherheit braucht, bevor es loslassen kann.


Was du tun kannst – ganz ohne Druck


1. Spüren, was da ist – ohne etwas ändern zu müssen Es darf gleichzeitig ein Wunsch nach Nähe und ein Bedürfnis nach Rückzug existieren. Diese Ambivalenz auszuhalten ist schwer – aber auch heilsam.

2. Deinen Körper nicht übergehen Wenn du merkst, dass dein Körper sich unruhig, angespannt oder innerlich zurückziehend anfühlt – wenn dein Atem stockt oder du dich wie „nicht ganz da“ fühlst – nimm das ernst. Nicht als Hindernis, sondern als ein wichtiges Signal: Etwas in dir braucht gerade Schutz, Raum und Zeit.

3. Dich mit dir selbst anfreunden Was würde es verändern, wenn du all diese Reaktionen als Versuch verstehen würdest, dich zu bewahren? Manchmal ist Selbstmitgefühl der erste Schritt zurück in die Verbindung – nicht zu anderen, sondern zu dir selbst.

4. Dir Unterstützung holen Es ist mutig, sich Hilfe zu suchen. In einem geschützten Rahmen kannst du lernen, deine innere Dynamik besser zu verstehen, alte Muster zu entwirren – und mit der Zeit neue, stimmige Erfahrungen mit Nähe zu machen.


Du bist nicht falsch – du bist in einem Prozess

Sexualität ist kein „Leistungsbereich“. Kein Ort, an dem du funktionieren musst. Sie ist Beziehung – zu dir selbst, zu deinem Körper, zu einem Gegenüber. Und sie darf sich verändern. Langsam, vorsichtig, in deinem Tempo.

Wenn du dich in diesen Zeilen wieder erkennst, möchte ich dir sagen: Du bist nicht allein. Du musst nichts „leisten“, um Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen. Ein erster Schritt kann so klein sein wie eine Nachricht.

Wenn du magst, findest du auf meiner Website Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme. Du bist willkommen – mit all dem, was gerade ist.


Vielleicht ist es noch kein Ja. Vielleicht ist es einfach: Ich möchte, dass es leichter wird.


Und auch das darf der Anfang sein.

 
 
 

Kommentare


bottom of page